Neulich in der Stadt…

Freitag, 3. Juli 2020, von Andreas Hempel

Vor einem guten Monat habe ich einen meiner ersten Besuche der Kölner Innenstadt gewagt und da fiel mein Blick auf etwas, das ich bisher noch nie gesehen hatte und was für mich den jetzigen Zustand für alle Kulturschaffende verdeutlichte: Eine vollkommen leere Litfaßsäule! Es mag sein, daß dies Zufall war, wahrscheinlich war ein Trupp mit neuen Plakaten ganz in der Nähe… aber wofür eigentlich? Vielleicht für den Auftritt einer Band im Kölner Fußballstadion? Und weiter?

Es mag aus Trotz gewesen sein, gepaart mit dem unbedingten Verlangen, unser Orchester nach all den Monaten wieder zum Klingen zu bringen; jedenfalls nutzte ich die kommenden Wochen zur Planung, um die Saison 2019/2020 noch mit einem letzten bzw ersten Konzert zu beenden.

Nach unzähligen Telefonaten, einem abgelehnten Antrag auf Förderung und Phasen der Resignation kam es dann doch noch zu einer Kooperation mit dem Zentrum für Alte Musik und
Frau Mélanie Froehly, die trotz der immensen Aufgaben, die ihr Beruf gerade mit sich bringt, den Kontakt zur Kartäuser-Kirche herstellte und wir dann schlußendlich am 28. Juni ein kleines, feines Nachmittagskonzert mit Liegestühlen im Kreuzgang spielten. Hierbei nutzten wir unsere Infrastruktur der digitalen Projekte „Out of the Box“ und „#in the Bubble?“ und streamten den ersten Teil direkt auf die Handys des Publikums.

Doch halt! Des Publikums? Wo war das Publikum? Die Tatsache, daß vielleicht 12 Personen den Weg nicht gescheut hatten, hielt das Orchester nicht davon ab, mit voller Hingabe zu spielen. Doch wo war der Rest? Ist die Unsicherheit in der Bevölkerung zu groß, als daß die Aussicht, endlich wieder Live-Musik, vor allem von einem größeren Ensemble, zu hören, nicht Anreiz genug wäre, sich in eine Kirche mit reichlich Platz zwischen den Reihen zu wagen?

Es sei dahingestellt. Zumindest war die Rührung der Anwesenden, sowohl der Zuhörer*innen als auch der Musiker*innen zum Greifen spürbar, es kam einer Befreiung gleich und ich richte hiermit den Appell an alle: Nehmen Sie die wenigen Angebote der Künstler an, nicht nur aus Unterstützung, nein, gerade zu Ihrer persönlichen Erbauung, es lohnt sich!