Gastbeitrag von Frauke Meyer, Köln

Sonntag, 19. April 2020, von admin

Angehalten. Gestoppt. Ausgebremst. Alle, ausnahmslos. Kein schneller, höher und weiter. Keiner kann sich entziehen.
Wir sind alle in einen Zustand des Wartens und Ausgeliefert-Sein versetzt. Wir haben das Virus nicht unter Kontrolle. Wir können -außer den gebotenen Regeln zu folgen – nichts tun, damit wir wieder ins Büro dürfen, ins Restaurant gehen können, uns im Sportstudio auspowern oder mit den Kids auf den Spielplatz gehen können. Wir müssen warten. In einem seltsamen Zwischenraum des Trauerns um das Verlorene, gleichzeitig aber mit einer unbändigen Neugier wann und wie es weitergeht. Aber um was Trauern wir und was soll uns denn erwarten? Wir sind im Warteraum und wissen nicht, wann wir aufgerufen werden. Vielleicht liegt es an uns wie wir diese Wartezeit füllen? Vielleicht ist ja jetzt der Moment des Hinterfragens gekommen, ob wir weiter das Schneller, Höher und Weiter leben wollen oder inwieweit es jetzt an uns liegt einen anderen Entwurf unseres Lebens zu entwickeln?
In dieser Krise ist Solidarität zu einem Schlagwort geworden. Ich bin solidarisch, wenn ich zuhause bleibe, eine Maske trage oder auch wenn ich mich um den Einkauf meiner alten Nachbarin kümmere. Kehren wir nach dem Ende des Lockdown wieder dahin zurück, wo es keine Solidarität mehr benötig oder suchen wir nach einem neuen Miteinander, wo Solidarität der Kern unserer Gesellschaft wird? Haben wir nicht gemerkt, dass das Fehlen von Gemeinschaft, die Isolierung und Vereinsamung in jeglichem Sinne unsere Sehnsucht nach einem Miteinander vergrößert? Lasst uns diesen seltsamen Leerraum im Wartezimmer füllen-neue Ideen und Modelle von Gesellschaft, Verantwortung und Miteinander zu erproben. Lasst uns diese Ruhe nutzen zu uns und den wichtigen Dingen zurück zu kommen.
Lasst uns ein neues solidarisches Miteinander entwickeln, wie unsere Leben nach dem Virus aussehen soll.